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Die Mitglieder

Ein Scheunenkonzert der besonderen Art

Aus der RHEINPFALZ | VON ANJA BENNDORF

 

Wie der Gründer und Vorsitzende des Vereins, Hans Volker Bolay, berichtete,waren die vier Workshops zu Instrumenten verschiedener Art am Wochenende überbelegt. „Wir konnten aber über die Organisation Jeunesses Musicales Deutschland noch weitere professionelle Kursleiter gewinnen, sodass sich auch noch spontan Leute anmelden können“,erklärte er am Freitag, als er bereits 44 Interessierte auf seiner Liste hatte. Dabei überwog der Frauenanteil und Zweidrittel waren Erwachsene.


„Zum Beispiel eine 70-Jährige, die erzählte, dass sie in Ägypten eine Darbuka gekauft, aber noch nie darauf gespielt habe,weil sie Angst habe, etwas kaputt zumachen“, so Bolay.

Ängste vor Fremdem überwinden war eines der Hauptziele des Ethnomusikfestivals unter der Gesamtleitung von Bernhard Vanecek, Profi-Posaunist und Schauspieler aus Limburgerhof.


„Egal, wer man ist, wo man herkommt – hier können alle Musik mitgestalten“, begrüßte Bolay das Publikum. Durch gemeinsames Erleben fördere sein Verein Integration und Inklusion, denn diese könne noch ein Stückchen besser sein.


Es begann mit sphärischen Klängen, zartemGesang und einemRainmaker. „Regenwetter“ stellte ein jungerMannmit Down Syndromerfreut fest und fing sogleich an zu tanzen. In dem getragenen Stück aus der algerischenWüstemit demTitel „Ikyardamdim“ wird auf sehr poetischeWeise vom Tod eines geliebten Menschen erzählt. „Das Lied nehmen wir gern zum Start“, erläuterte der aus denNiederlanden stammende Keyboarder Marcel Kamst im RHEINPFALZ-Gespräch. Bazaar sei 2016 nach einemEthnocamp auf der Burg Lichtenberg entstanden. Der Bruder von Bernhard Vanecek, Roland, hatte damals zu einer Jamsession geladen. „Das hat uns so viel Spaß gemacht, dass wir die Band gründeten“, erzählte Kamst, der zuvor schon mit dem Kuseler Christoph Jung (Schlagzeug) und dessen in Novosibirsk geborener Frau Julia (Gesang, Percussions) zusammengespielt hatte und nun mit dem Algerier
Mouloud Mammeri (Gitarre) ein Quartett bildete. Später dazu gestoßen ist mit Nabil Saadi ein weiterer algerischer Gitarrist.


Am Freitag hatte Julia Jung amMikrofon Verstärkung von zwei Sängerinnen erhalten. Das dritte Lied war etwas flotter. Das Publikum, das allmählich den Freiraumvor der Bühne zum Tanzparkett erhoben hatte, klatschte begeistert mit. Partystimmung, überall fröhliche, entspannte Gesichter. Besonders ausgelassen tanzten eine kleine Blondine und ihre Oma. Die Musiker waren ebenso mit Freude bei der Sachewie die Besucher, die unter anderemausAltleiningen, Grünstadt und WeisenheimamBerg gekommen waren. In dem selbst komponierten Reggae „Show Me“, zu dem Julia Jung
den englischen Text geschrieben hat, geht es um die zwischenmenschliche Kommunikation: Facebook versus tatsächliche Begegnung. Zu hören waren auch Desert-Blues-Stücke. Der Jahrhunderte alte Musikstil der Nomadenvölker aus der westafrikanischen Sahara gilt als die Wurzel des amerikanischen Blues. Auch einen Jazz-Standard brachte das zwischenzeitlich um zwei Percussionisten, eine Akkordeonistin, die einen Song aus ihrer Heimat Finnland ausgezeichnet vortrug, und Bernhard Vanecek erweiterte Ensemble auf die Bühne: Wunderschön interpretiert wurde der Duke-Ellington- Titel „Caravan“, zu dem Jung voller Hingabe tanzte und ihre fantastische, kräftige Stimme zur Geltung brachte. Einen für deutsche Ohren ungewöhnlichen Rhythmus hat das Lied „Lulla“ im Sechs-Achtel-Takt, das immer schneller wurde. Damit, so Kamst,würden sich die Berber bei ihren Heilungsritualen in Trance versetzen. Die Besucher des Karolinenhofs zeigten sich sehr angetan von diesem Konzert und gingen in Hochstimmung nach Hause.

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